Wie sich die Drogenszene in Bonn neu orientiert

Nach der Schließung des „Bonner Lochs“ befindet sich die Drogenszene im Umbruch. Polizei, Ordnungsamt, soziale Einrichtungen passen sich an

Freunde – das Wort benutzt Rudi ungern. „Hier ist es eher wie in einer Zweckgemeinschaft“, sagt er. „Diese Welt ist eine richtig harte Welt. Sie ist nur stark geschminkt.“ Geschminkt mit Drogen, die in seinem Umfeld viele Menschen brauchen, um ihren Normalzustand zu erreichen. „Die Laune der Leute ist immer abhängig von den Drogen. Ohne geht es nicht.“

Rudi ist einer von ihnen. Er ist seit über 30 Jahren drogenabhängig. Früher hat der 64-Jährige seine Zeit oft im „Bonner Loch“ verbracht.

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Umbauten Ein modernes Einkaufszentrum entsteht dort, wo früher das 'Bonner Loch' war. Die Drogenabhängigen sind aber noch da. Sie haben sich nur verteilt.

Das „Bonner Loch“ war lange Zeit ein Anziehungspunkt für Drogenabhängige – über die Stadtgrenzen hinaus. Polizei und Ordnungsamt haben sich deshalb schon vor 26 Jahren zusammengeschlossen, um die auftretenden Probleme zu bekämpfen: Offener Drogenkonsum, Prügeleien, aggressives Betteln und öffentliches Urinieren.

Die „Gemeinsame Anlaufstelle Bonn-Innenstadt“ (GABI) soll nicht nur die öffentliche Sicherheit, sondern auch die soziale Stabilität der Betroffenen verbessern. Durch den Umbau des Bahnhofs und die damit verbundene Schließung des „Bonner Lochs“ geht die Sichtbarkeit der Szene zwar zurück, der Alltag der Betroffenen aber ändert sich nicht.

Alltag im Rausch

Rudi sitzt an einem Biertisch, gegenüber von Sarah und Petra. Ein Pavillon schützt die drei, wie bei einer Gartenparty. Vor den beiden Frauen stehen halbleere Bierdosen. Rudi trinkt nicht. „Das ist mein Glück, denke ich“, sagt er. „Deshalb bin ich noch klar im Kopf. Und lebe noch.“

Fragt man Rudi, ob er sein Leben als Drogenabhängiger bereut, dann schüttelt er den Kopf. „Ich schäme mich nicht mehr. Das ist einfach mein Leben. Ich stehe zu meiner Welt.“

Als Jugendlicher hat Rudi mal LSD genommen, damals, 1968. Danach lange Zeit gearbeitet: In der Kneipe, auf dem Schrottplatz. „Dann ist meine Frau vom Dach gesprungen“, sagt Rudi. An dem Abend gab er sich den ersten Schuss. Von der Sucht ist der 64-Jährige nie wieder losgekommen. Heute ersetzt ein Substitut das Heroin. Mit LSD und Ecstasy macht er sich sein Leben bunter.

In der Quantiusstraße hinter dem Bonner Hauptbahnhof, Hausnummer 2, trifft Rudi sich mit anderen Abhängigen. Im Hinterhaus der Drogenkonsumraum, im Vorderhaus das Kontaktcafé und die Beratungsstellen des Vereins für Gefährdetenhilfe. Auf dem Hof dazwischen stehen Tische und Bänke. Hier treffen sich Drogenabhängige, Obdachlose und andere Menschen, die Hilfe benötigen. Viele verbringen hier ihren Tag, im Gespräch miteinander oder mit den Sozialarbeitern der Einrichtung. 

Sarah kramt in ihrer Tasche. Sie sucht einen Stift, um den Briefumschlag an ihren Freund zu adressieren: JVA Siegburg. „Er sitzt wegen Beschaffungskriminalität“, sagt Sarah. Sie hat als 10-Jährige das erste Mal Drogen genommen. Auf dem Umschlag kleben rote Glitzerherzen, drei kleine und ein großes. Jeden Tag schreibt sie ihrem Freund. Aber dieser Brief ist besonders. Zwei Armbänder und eine Kette hat sie in den Umschlag gelegt. Einen Stift findet die 33-Jährige nicht in ihrer Tasche. Stattdessen kramt sie drei leere Bierdosen hervor.

Neben dem Bier nimmt Sarah viele verschiedene Drogen. Heute sind es bisher Gras, Pep und Ecstasy. Wie Rudi bekommt sie beim Arzt einen Heroin-Ersatz. In den Drogenkonsumraum geht sie seitdem seltener. „Früher war ich manchmal acht mal am Tag im Druckraum“, sagt Sarah. „Je nachdem, wie viele Kunden ich geschafft habe, habe ich bis zu 300 Euro für Drogen am Tag ausgegeben.“ Für eine eigene Wohnung neben der Sucht reichte die Prostitution nicht. Sarah wohnt in einer Notunterkunft.

Petra sagt nicht viel. Sie beschäftigt sich mit ihrem nächsten Schuss und überlegt, woher sie ein funktionierendes Feuerzeug bekommt: „Der Schuss ist verschenkt, wenn das Feuerzeug nicht gut ist.“ Das Heroin muss erhitzt, die richtige Vene getroffen werden. Und der Körper verlangt nach der Droge. Da bleibt keine Zeit für ein kaputtes Feuerzeug. 

Petra steht auf, sobald sie ihren Freund sieht. Wie in Trance geht sie zu ihm. Er gibt ihr einen Bubble. So heißt das Zehntelgramm Heroin, das die Dealer in Frischhaltefolie anbieten, zu Kügelchen gepresst. 

Petra und ihr Freund wohnen nicht nur zusammen, sie haben sich auch versprochen, immer gemeinsam zu konsumieren. Eine halbe Stunde sind sie weg. So lange hat jeder im Druckraum Zeit, wenn er sich Heroin spritzt. Die Venen sind oft so kaputt, dass es Zeit braucht, eine geeignete Ader zu treffen. Als Petra wiederkommt, wirkt sie wie gut ausgeschlafen. Sie hat eine Sorge weniger.

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Eigene Welt

Wer Drogen nimmt, kennt nicht automatisch alle anderen die spritzen, trinken, kiffen oder Tabletten einwerfen. Die Bonner Drogenszene lässt sich deshalb nicht genau definieren oder eingrenzen. Wo die gleichen Drogen genommen werden, kennt man sich aber und kommt immer wieder zurück zu den gleichen Treffpunkten. So entstehen kleine Netzwerke, die untereinander kaum Berührungspunkte haben – und sich trotzdem nicht sonderlich gut leiden können.

Die Bonner Polizei beobachtet, dass Gewalttaten unter den Abhängigen zunehmen. „Die Szenen sind sich untereinander spinnefeind“, sagt auch ein Sozialarbeiter vom Verein für Gefährdetenhilfe. Die gemeinnützige Gesellschaft betreibt seit 2003 den Drogenkonsumraum in der Quantiusstraße, direkt am Hintereingang des Bonner Bahnhofs. Zum Angebot gehören „hygienisch einwandfreie Bedingungen zum Drogenkonsum“, wie es im Internet heißt. In der Sprache der Konsumenten klingt das weniger förmlich: „Die Junkies kommen in den Druckraum, um sich einen Knaller zu setzen“, also Heroin zu spritzen.

Auch als Treffpunkt ist die Einrichtung beliebt, schon morgens ist viel los. Draußen sitzen Rudi und Manni. Manni packt mit steifen Fingern die Obdachlosenzeitungen zusammen, die er in der Innenstadt verkaufen will. „Wenn ich einen Zehner zusammen habe, höre ich auf“, sagt er. „Ich will mir nur einen Knaller setzen.“

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Prälat-Schleich-Haus Am Prälat-Schleich-Haus der Caritas, einem Männerwohnheim, ist die Stimmung angespannt. Wer sich hier trifft, hat meist ein Akoholproblem - auch wenn das Klientel als "Kifferszene" bekannt ist.

„Geht mal weiter, wir haben hier gerade zu tun“ ist die Begrüßung, wenn man unverhofft in ein Drogengeschäft stolpert.

Nächster Versuch: „Wir haben hier keinen Redebedarf“, der Blick wird demonstrativ abgewandt. „Hier passiert nix Besonderes. Hier sitzen wir, und da drüben“ – ein unbestimmtes Wedeln mit der Hand zeigt eine grobe Richtung an – „hinterm Baum, da wird angeschafft.“ Von wem? „Keine Ahnung, ich hoffe aber, dass da nur Frauen sind und nicht irgendwelche Kerle ihren Hintern hinhalten.“ 

Der Treffpunkt am Busbahnhof hat die meisten Berührungspunkte mit Passanten. Die Polizei beobachtet hier tagsüber eine Gruppe von etwa 40 Leuten, die vor allem alkoholabhängig sind. Im „Bonner Loch“ trafen sich laut Polizei und Stadt regelmäßig bis zu 60 alkoholabhängige und über 100 hauptsächlich opiatabhängige Menschen. Insgesamt ist die Sichtbarkeit von Abhängigen rund um den Bahnhof seit der Schließung zurückgegangen. „Für uns hat sich aber gar nichts verändert, wir gehen halt ein paar Meter weiter“, sagen Abhängige szenenübergreifend.

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Rot-Weiß Einer der Treffpunkte ist die Straßenbahnhaltestelle an der Thomas-Mann-Straße: „Die Platte an Rot-Weiß“, weil der Dönerladen hier früher einmal eine Pommesbude war.

Hier treffen sich diejenigen, die ihre Heroinsucht in der Arztpraxis nebenan mit Substituten wie Methadon behandeln. Ein flüssiges Präparat mit dem Namen „Polamidon“ soll verhindern, dass Patienten ihre Dosis im Mund nach draußen schmuggeln und verkaufen. „Nachdem wir unser Substitut bekommen haben, stehen wir noch ein bisschen zusammen und quatschen“, erzählt Andreij.

Bier oder Biermischgetränke werden getrunken, die meisten spülen den Geschmack des Substituts mit einer, höchstens drei Flaschen herunter. Hier zeigt sich, was Ordnungsamt und Polizei meinen, wenn sie von „regelmäßigen Kontrollen“ sprechen: „Wenn irgendwer versucht, was zu verkaufen oder Stress macht, sind die sofort da, wie aus dem Nichts!“, sagt Andreij. Er zeigt auf die Überwachungskamera an der Hauswand: „Das ist hier wie bei Big Brother!“

Unter Aufsicht

Weiße Kacheln, Desinfektionsgeruch und ein Licht, das man liebsten gleich wieder ausmachen würde: Einem Außenstehenden mag der Drogenkonsumraum in der Quantiusstraße wie ein Labor für Tierversuche vorkommen. Doch für viele Drogenabhängige in Bonn ist er ein Zufluchtsort. Dort können sie sich unter Aufsicht einen Schuss setzen oder ein Blech rauchen. Es gibt sauberes Drogenbesteck und ein geringeres Risiko, sich mit Krankheiten wie Hepatitis und HIV anzustecken. Viele bleiben zum Reden.

  • Drogenkonsumraum

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Besucher, so nennen die Diplom-Pädagogin und ihr Team die Konsumenten. Schretzmann passt nicht nur auf, dass sich keiner eine Überdosis drückt. Nach dem „Schuss“ könne sie sich zusammen mit den Drogenabhängigen besonders gut um bürokratische Angelegenheiten kümmern: um die Wohnungssuche etwa oder um Unterstützung bei einem Strafverfahren.

Um 11 Uhr, kurz bevor der Konsumraum öffnet, wird es voll. Acht Plätze bietet der Raum – fünf zum Spritzen und drei zum Rauchen von Drogen. Die Konsumenten melden sich am Holztresen mitten im Raum an, fast wie bei einer Hotelrezeption. Jeder Platz ist mit einem Spiegel, einer kleinen Ablage und einem grünen Plastikstuhl ausgestattet. Die Spiegel seien wichtig, vor allem für Personen, die sich ihre Drogen nach dem Erhitzen in flüssiger Form spritzen. Wie zum Beispiel Heroin. „So können die Besucher ihre Venen besser finden“, erklärt Schretzmann.

Wer in dieser sicheren Umgebung konsumieren möchte, muss sich an die Regeln halten: Keine eigenen Spritzen, Mülltrennung, Volljährigkeit und ein Ausweis der Stadt Bonn. Alle anderen, zum Beispiel Konsumenten aus dem Rhein-Sieg-Kreis, muss das Personal wegschicken. Denn für die ist ein Druckraum in Troisdorf eingerichtet worden. Das ist aus Schretzmanns Sicht ein Problem, auch für die Sicherheit der Bonner Bürger. „Es kommen Menschen von außerhalb in die Stadt, um hier ihre Drogen zu kaufen. Und wer seine Drogen auf Tasche hat, der fährt nicht erst nach Hause zum Konsumieren“, sagt Schretzmann. Jeder, der seine Drogen nicht im Druckraum konsumieren darf, würde draußen konsumieren und seine benutzten Spritzen liegen lassen. Auch dort, wo Kinder spielen. 

Schretzmann und ihr Team halten sich an die Vorgaben der Stadt Bonn, auch wenn das manchmal weh tut. Wenn sich die Weggeschickten direkt einen Schuss geben, ganz in der Nähe. Manchmal geht das gut. Manchmal nicht. 

Wenn ein Mensch in den Büschen mit einer Überdosis gefunden wird, dann kommt Hilfe nicht immer schnell genug. Dabei soll der Drogenkonsumraum genau das für die Bonner Abhängigen bieten: Hilfe und Beistand im Notfall. Zu 28 Notfällen mit Atemstillstand oder Atemdepression kam es im Jahr 2017. Alle haben überlebt.

Im Drogenkonsumraum in Bonn ist noch nie jemand gestorben. „Man darf nie aufgeben“, sagt Schretzmann. „Erst wenn sie sterben, ist es vorbei.“ Wenn sie einen Auswärtigen wegschicken muss und der dann an einer Überdosis stirbt, dann nimmt sie sich den Rest des Tages frei. Am nächsten Morgen geht es dann weiter.

Der Drogenkonsumraum in Zahlen*

*Die Zahlen gehen aus dem Jahresbericht 2017 der Drogentherapeutischen Ambulanz (DTA) mit Drogenkonsumraum Bonn hervor.

Offene Szene, offene Fragen

508 Personen wurden im Jahr 2017 weggeschickt, weil sie keinen Bonner Ausweis hatten, oder sich gar nicht ausweisen konnten. Wer rein darf und wer nicht in den Druckraum, dass ist die Entscheidung der Stadt. In Wuppertal etwa kann man den Druckraum anonym nutzen. “Wir hätten gerne, dass Auswärtige bei uns konsumieren dürfen“, sagt auch Nelly Grunwald, die Leiterin des Vereins für Gefährdetenhilfe.

Die Stadt Bonn sieht allerdings keinen Handlungsbedarf: „Aus ordnungsrechtlicher Sicht sollten die benachbarten Kommunen stärker in die Pflicht genommen werden, ihre Betreuungsangebote deutlich besser auszubauen“, schreibt Pressesprecherin Steffi Zießnitz. An anderer Stelle aber heißt es von Seiten der Pressestelle: „Aus Sicht der GABI ist Bonn für auswärtige Drogenkonsumenten ein Anziehungspunkt, da es in benachbarten Kommunen und Kreisen in NRW und Rheinland-Pfalz keine Szene dieser Größe und die entsprechende Infrastruktur gibt.“

Die offene Drogenszene in Bonn wird offen bleiben – auch ohne „Bonner Loch“. Und das ist durchaus erwünscht. Theoretisch könne man eine offene, sichtbare Szene vermeiden, sagt Frank Piontek, Pressesprecher der Polizei Bonn. Das Ergebnis wäre jedoch nicht die Abwesenheit von Drogen. Sondern das Gegenteil: „Eine deutlich schwerer zu kontrollierende Drogenszene völlig außerhalb der etablierten Gesellschaft“, sagt Piontek.

Das will niemand. Auch nicht Nelly Grunwald und ihr Team: „Für die Klienten ist es wichtig, dass sie die Hilfsangebote und den Drogenkonsumraum gut erreichen können“, sagt Grunwald. Noch trennt nur die Fußgängerunterführung, die zu den U-Bahnen führt, den Druckraum von der offenen Szene rund um den Hauptbahnhof. Und das soll auch so bleiben – auch dann noch, wenn der Neubau das „Bonner Loch“ endgültig verdeckt hat.

Spritzen, Rauchen, Einwerfen

ALKOHOL
Wirkung: verteilt sich über Blutbahn im ganzen Körper, erreicht nach wenigen Minuten das Gehirn, wo eine ganze Reihe Transmittersysteme erreicht werden

Effekt: aufputschend, enthemmend, angstlindernd, beruhigend (abhängig von der Menge)

Schaden: Schädigung beinahe aller Organe, des zentralen und des peripheren Nervensystems, Gedächtnisstörungen, Leberzirrhose, Krebserkrankungen

Trend: Der Pro-Kopf-Verbrauch von Reinalkohol ist in den letzten 40 Jahren zurückgegangen. Trotzdem bleibt Deutschland eines der Hochkonsumländer.

(Quelle: Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018) 

TABAK
Hauptwirkstoff: Nikotin

Wirkung: Nikotin gelangt binnen Sekunden ins Gehirn, wo es dazu beiträgt, dass verschiedene Neurotransmitter wie Acetylcholin, Dopamin und Serotinin ausgeschüttet werden

Effekt: anregend und beruhigend

Schaden: über 90 der 4.800 Substanzen im Tabakrauch gelten als krebserregend/erbgutverändernd, Schädigung beinahe aller Organe

Trend: Raucherquote bei Erwachsenen seit 2003 um etwa 30 Prozent gesunken

(Quelle: Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018) 

CANNABIS
Hauptwirkstoff: Tetrahydrocannabinol (THC)

Wirkung: THC bindet an Cannabinoid-Rezeptoren an, die zum Nervensystem gehören. Die Rezeptoren befinden sich im ganzen Körper, am häufigsten aber im Gehirn.

Effekt: entspannend, beruhigend, löst Glücksgefühle aus, Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit, Psychomotorik und Reaktionsvermögen, steigender Puls und Blutdruck

Schaden:Ein regelmäßiger Cannabiskonsum kann die Hirnleistung und das Gedächtnis verschlechtern. Zudem stellt der Konsum von Cannabis einen Risikofaktor für psychische Erkrankungen dar

Trend: Nach einem Hoch der Prävalenzen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu Beginn der 2000er Jahre ist der Konsum zurückgegangen. Seit 2011 ist wieder ein Anstieg zu beobachten.

(Quelle: Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018)

OPIOIDE
= Opiate und halb- oder vollsynthetisch hergestellte Substanzen mit morphinähnlicher Wirkung

Hauptwirkstoff:
Opiate: Milchsaft des Schlafmohns, enthält hauptsächlich Morphin und Codein
Heroin: halbsynthetisches Opiod, das durch einen chemischen Prozess aus Morphin hergestellt wird

Wirkung: Opioide docken an Rezeptoren im zentralen Nervensystem an und aktivieren diese

Effekt: entspannend, beruhigend, euphorisierend, schmerzlindernd

Schaden: hohes Abhängigkeitspotenzial, Infektionskrankheiten wie Hepatitis B und C sowie HIV, Überdosierungen

Trend: Die Konsumhäufigkeit bei Erwachsenen zeigt für die letzten 20 Jahre einen leichten wellenförmigen Verlauf ohne Tendenz.

(Quelle: Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018)

CRYSTAL METH
= Methamphetamin

Hauptwirkstoff: vollsynthetisches Stimulans (chemisch eng verwandt mit mit Amphetamin (Speed))

Wirkung: führt dazu, dass der Körper Botenstoffe wie die Glückshormone Serotonin und Dopamin sowie das Stresshormon Noradrenalin in großen Mengen ausschüttet

Effekt: stimulierend, körperliche Erregung, physische Leistungssteigerung

Schaden: Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen, Organschäden, höheres HIV-Risiko

Trend: keine bundesweiten Daten zu Konsum von Crystal Meth vorhanden

(Quelle: Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018)

KOKAIN
Hauptwirkstoff: Kokainhydrochlorid (durch chemisches Verfahren aus den Blättern des Coca-Strauchs hergestellt)

Wirkung: vermehrt die Ausschüttung körpereigener Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Serotonin → massive Stimulation des zentralen Nervensystems

Effekt: gesteigerte Wachheit, euphorische Stimmung, gesteigertes Selbstwertgefühl, gesenkte soziale und sexuelle Hemmungen, Hyperaktivität

Schaden: Schwächung des Immunsystems, starker Gewichtsverlust, Schädigung von Blutgefäßen, Leber Herz und Nieren, psychische Folgeschäden

Trend: Die Anzahl der Erwachsenen, die in ihrem Leben jemals Kokain konsumiert haben, ist seit 1990 gestiegen.

(Quelle: Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018)

NEUE PSYCHOAKTIVE STOFFE (LEGAL HIGHS)
Hauptwirkstoff: Die größten Stoffgruppen sind synthetische Cannabinoide und synthetische Cathinone (Amphetamindevirate).

Wirkung: Eine genaue Beschreibung der Wirkung ist aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Substanzen nicht möglich.

Effekt: ähnlich wie bei anderen bekannten Substanzen wie Cannabis, Ecstasy oder Amphetamin

Schaden: Aus einer Online Erhebung in den Jahren 2013 und 2014 gehen diese Folgen hervor: Herzrasen, Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen, Übelkeit, Panikattacken, Entzugssymptome, Bewusstlosigkeit, Atemnot

Trend: Ein Trend kann noch nicht festgestellt werden, da mit der Erhebung der Daten in Deutschland erst 2015 begonnen wurde. Bei den 12- bis 17-Jährigen hatten zu diesem Zeitpunkt 0,1 Prozent schon einmal NPS konsumiert. In der Altersgruppe der Erwachsenen waren es 2,8 Prozent.

(Quelle: Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018)

Weiterführende Quellen:
Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018
Jahresbericht 2017 der Drogentherapeutischen Ambulanz (DTA) mit Drogenkonsumraum